Die Wochen fliegen nur so davon, wie Colin mit aktiviertem Sport-Knopf über die A1. Colin ist unser vorrübergehendes Firmenauto. Ein silberner Vauxhall Astra SRi 1.8 Liter mit CD-Player und Lenkrad auf der falschen Seite.
Und so sitz ich am Sonntagmorgen wieder in meinem Wohnzimmer, schaue mir zum 20sten mal die 5. Staffel Scrubs auf englisch an weil die DVD-Ferbedienung keine Batterie hat und finde es wieder mal unglaublich, dass die Engländer sich anscheinend nicht wirklich darum kümmern, dass heute Sonntag ist und trotzdem ihre Rasen mähen.
Gestern Nachmittag war ich mit meinem Chef und dessen Familie auf einem Pflugwettkampf. Ich hatte eine handvoll Bauern mit Pferden erwartet die dann fröhlich um die Wette pflügen würden, aber es kam anders. 7,50£ Eintritt. Aber dann, die volle Landwirtschaftliche Ladung. Traktoren, Dampfmaschinen, Bagger, Anhänger, Mähdrescher, Pferde, Pflüge, Kettensägen, Trucks, Hunde, Bier, keine Geldautomaten aber dafür frisch duftende Erde.
Eigentlich wollte ich mich ja gestern noch darüber aufregen, dass wiedermal ein Kurs ansteht. Es ging um den Security Passport. Erschreckende eineinhalb Tage Powerpointkaraoke. Aber das war ja nicht das schlimmste. Die Tatsache, das der Kurs in englisch war, machte mir nichts aus. Vielmehr die Tatsache, dass ich hierbei einen Test absolvieren musste liess mich erschaudern.
Einen Test? Da Fall ich doch eh durch, so viele neue Begriffe, tausende neue Abkürzungen. Und dann alles gegebenenfalls noch ein zweites Mal.
Aber es kam anders (glücklicherweise).
Der Kurs ging von Dienstagmorgen bis heute Mittag. Keine Spur von langeweile. Entgegen allen Erwartungen sehr interessant. Und die Tests waren ... wir nennen es in der Schweiz "Dubbelisicher". Eigentlich könnte man die Tests auch ohne Kurs erfolgreich lösen. Und so habe ich den Kurs auch erfolgreich beendet und bin im Besitz eines Security-Passports *froi*, der 3 Jahre gültig.
Zwei erfreuliche Nebeneffekte hatte der Kurs ebenfalls. Erstens bin ich auf eine neue Homepage aufmerksam geworden www.safetyphoto.co.uk. Und zweitens bin ich in den Genuss von Napu gekommen. Nicht ganz so blutig wie Staplerfahrer Klaus, aber mindestens genauso gut.
Uuuu, endlich. Eine ganze Woche lang kein Internet auf meinem Notebook, aber jetzt ist das gerade anders. Zwar hab ich mitlerweile Schwierigkeiten zu unterscheiden auf welchen Tastaturen sich das Z und das Y verwechseln. Ausserdem gibt es auf englischen Tastaturen keine halbwegs schnelle Möglichkeit die Umlaute zu schreiben.
Seit letzter Woche wohne ich jetzt in einem kleinen Haus, halbwegs eingerichtet, mit TV, DVD und mit ohne Internet. Ausserdem hab ich seit heute einen Duschvorhang und ein 8-Meter-Messband. Der Vorhang hat zwar £ 15 gekostet, aber es hat sich definitiv gelohnt.
Mein kleines Haus, in dem ich wohne bis ein Käufer gefunden ist...oder sich eine bessere Unterkunft ergibt:
Wohnzimmer...
...Türe in die Küche, links hinter der Tür ist das Bad...
...Schlafzimmer...
...begehbarer "Schrank"...
...und so sieht das Häusle von aussen aus.
Ausserdem gibt es hier in dem Dorf den wohl gefährlichsten fast-Autobahn-Fussgängerübergang Europas. Über die A1 mit 4 Spuren und auf der Höhe einer Ausfahrt.
Das Dorf ist aber so klein, dass es hier nichtmal ein richtiges Pub, geschweige denn einen Dorfladen gibt. Seit ich hier in England bin habe ich mindestens 10 neue Biersorten probiert. Die waren zwar alle lauwarm, aber dafür hatten sie so klingende namen wie "Black Rat", "Charlie's Angels", "Kingfischer" aus Indien... und einige mehr.